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EU visafreies Abkommen mit der Türkei

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Überleg es dir genau

Wir müssen die EU-Parlamentsmitglieder informieren bevor sie abstimmen

Beschreibung des Projektes

Es gibt 751 gewählte Mitglieder des Europaparlaments, die täglich Entscheidungen treffen, die das Leben von Millionen von Europäern beeinflusst. Jede Entscheidung braucht daher die notwendigen und relevanten Informationen aus einem weiten Spektrum von Informationsquellen.

Bald wird über das Abkommen für die visafreie Einreise der Türkei abgestimmt. Wenn du auch denkst, dass dies ein wichtiges Thema ist, nutze bitte die folgenden Tatsachen, um deine Politiker zu informieren. Wir sollten ihnen nicht sagen, wie sie wählen sollen, aber ihnen dabei helfen eine Entscheidung aufgrund von genügend Informationen zu treffen. Wenn viele Menschen kleine Taten vollbringen, glauben wir daran, dass sie gemeinsam eine große Wirkung erzielen können. Am Ende dieser Seite kannst du auf „MACH MIT“ klicken und sehen, wie du an dieser Aufklärungskampagne teilnehmen kannst.

Migration

Langfristig gesehen kann die Etablierung einer visafreien Länderbeziehung zwischen Türkei und EU als ein Schritt in die falsche Richtung gesehen werden. Dieses Zugeständnis wird neben anderen Aspekten zu einer Verminderung der Motivation der Türkei führen, die Migrationskrise zu lösen, und dauerhaft die Anzahl der türkischen Bürger in der EU erhöhen.

Eine visafreie Länderbeziehung mit der Türkei wirft folgende Risiken für die EU auf:

  • Verminderung der Motivation der Türkei die Migrationskrise zu lösen.

  • Zunahme der Anzahl der türkischen Bürger in der EU, mit oder ohne den notwendigen Genehmigungen.

  • Zunahme der Asylanträge von türkischen Bürgern.

  • Wahrscheinlichkeit ethische Konflikte von der Türkei in die EU zu verlagern (z.B. Konflikte mit Kurden).

  • Schwierigkeit der Kontrolle über Einhaltung der türkischen Verpflichtungen gegenüber der EU.

  • Öffnung eines offiziellen Weges sowohl für Migranten als auch für Radikale.

  • Probleme beim Wiedereinführen der Visumspflicht für die Türkei.

  • Erhöhter Einfluss des politischen Islams in der EU.

Die Etablierung einer visafreien Länderbeziehung mit der Türkei bringt eine ganze Bandbreite von Risiken mit sich. Die Wahrscheinlichkeit die Geschichte der liberalisierten Visabeziehungen mit den Westbalkanländern zu wiederholen ist hoch. Viele der Menschen, die nach Deutschland, Belgien und in andere Länder migrierten mit dem Versuch Asyl zu erhalten (natürlich ohne Erfolg), verursachen eine administrative Überbelastung und rufen Diskussionen über wiedereinführende Visabestimmungen hervor. Die Türkei ist viel größer als die Westbalkanländer, weist erhebliche sozioökonomische Unterschiede auf und hat mit tiefgreifenden Problemen in Bezug auf den Schutz von Minderheiten zu tun. Die Anzahl der Bürger, die zu niederen sozioökonomischen Schichten oder benachteiligten Minderheiten gehören (Kurden, Armenier, Chrsiten), ist hoch in der heutigen Türkei. Außerdem werden Migranten aus anderen Ländern während ihres Aufenthalts in der Türkei mit einer großen Anzahl von gefälschten oder illegal erworbenen türkischen Pässen versorgt. Angesichts der Notlage der türkischen Minderheiten ist die EU ein attraktives Ziel für viele Büger, die diesen Minderheiten zugehörig sind.

Die EU möchte der Türkei eine visafreie Einreise bewilligen, ohne dass die Türkei die nötigen Bedingungen erfüllt hat - zum Beispiel die Anpassung von Antiterrorgesetzen. Wenn die EU eine visafreie Länderbeziehung zur Türkei etabliert, bevor Ankara die zuvor bestimmten Bedingungen erfüllt, wie soll die Türkei dann überzeugt werden, interne Veränderungen vorzunehmen? Präsident Erdogan erpresst die EU, indem er droht, die Grenzen zu öffnen und Migranten in die EU zu transportieren. Ankaras Handlungen und Drohungen sollten es offensichtlich machen, dass die EU sich nicht auf die Türkei als einen Partner beim Lösen der Migrationskrise verlassen kann. Wenn erst einmal türkische Bürger kein Visum mehr für eine Einreise benötigen, ist es politisch gesehen sehr kompliziert, wieder eine Visumspflicht zwischen Türkei und EU Nationen einzuführen.

Sicherheit

Eine visafreie Einreise für die Türkei zu gewährleisten, bedeutet ein beträchtliches Sicherheitsrisiko für die EU. Die Türkei liegt benachbart zu nicht-demokratischen oder instabilen Staaten und seine eigenen staatlichen Organe kooperieren mit Jihadisten auf türkischem Territorium.

 

  • Die Türkei unterstützt ISIS und andere Jihadistischen Gruppierungen.

  • Die Türkei liefert Waffen an Jihadisten, stellt Trainings bereit und versorgt sie mit medizinischer Hilfe.

  • ISIS operiert direkt in türkischen Territorium.

  • Die Türkei ist eine politisch instabile geographische Region.

  • Die Türkei teilt ihre 1.925 km lange Grenze mit Syrien, Irak, Iran und Georgien.

  • Eine visafreie Einreise für die Türkei wird es Jihadisten erleichtern in die Türkei einzureisen.

Die Türkei teilt ihre 1.925 km lange Grenze mit instabilen oder vom Krieg zerrissenen Staaten wie Syrien, Irak, Iran oder Georgien.

Das Institut für Studien zu Menschenrechten an der Columbia University in New York City veröffentlichte ihre Forschung, die die türkische Unterstützung des Islamischen Staates (ISIS) aufdeckt. Übereinstimmend mit Zeitungen und sozialen Netzwerken kann die Teilnahme der Türkei am Krieg in Syrien auf Seiten der Jihadisten (ISIS, Al-Nusrá, etc.) leicht nachgewiesen werden. Laut eines ISIS-Anführers kommen die meisten Kämpfer sowie die meiste Ausrüstung und Verpflegung für ISIS aus der Türkei. Es ist auch dokumentiert, dass Waffen für Jihadisten aus der Türkei in Lastwägen mit angeblich humanitären Hilfsgütern für syrische Turkmenen transportiert wurden. Ebenfalls dokumentiert sind Berichte, die zeigen, dass türkische Agenten logistische Unterstützung für Jihadisten zur Verfügung stellen, das Training der Jihadisten verbessern, medizinische Hilfe anbieten und eine sichere Durchreise nach Syrien über die türkische Hatay Provinz gewährleisten. Britanniens Sky News erhielt Dokumente, die zeigen, dass die türkische Landesbehörde Pässe von ausländischen Jihadisten genehmigen, die versuchen die türkisch-syrische Grenze zu passieren und sich ISIS anzuschließen. ISIS verkauft mineralische Rohstoffe und Antiqutäten und wäscht Schwarzgeld in der Türkei, die damit eine bedeutende Einnahmequelle für ISIS darstellt. Öl wird in Lastwägen in die Türkei transportiert und, wie dokumentierte Quellen zeigen, durch illegale Ölleitungen.

ISIS operiert auch direkt in der Türkei mit von Rekrutierungseinsätzen mitten in Istanbul und Gaziantep. Unterdessen unterstützt das türkische Militärkommando IBDA-C direkt ISIS. Einige Webseiten, die sich auf das Rekrutieren von ISIS-Kämpfern in Deutschland fokussieren, werden von Schulen betrieben, die von Mitgliedern der türkischen Regierungspartei AKP gegründet wurden. Laut des jordanischen Sicherheitsdienstes trainiert die Türkei ISIS-Kämpfer, die dazu bestimmt wurden Spezialoperationen durchzuführen.

Demokratie

Dauerhaft weicht die Türkei aufgrund ihrer Verbindung zwischen Regierung und Religion von den Prinzipien eines säkularen demokratischen Staates ab. Der politische Islam ist ein offensichtlicher Bestandteil der Türkei, der seine Orientierung nicht in Übereinstimmung mit dem säkularen Europa bringen kann.

 

  • Die Türkei ist kein säkularer Staat.

  • Die Türkei wird stark islamisiert, der Politische Islam wird Teil der offiziellen Politik.

  • Die Türkei unterstützt bedeutsam das Wachsen des Islam im Ausland.

  • Durch seine religiösen Organisationen versucht die Türkei die Politik anderer Länder zu beeinflussen.

  • Jüngste Prozesse führen zu einer Autokratie, die in Übereinstimmung mit der Islamischen Doktrin ist (Kaliphat).

Obwohl die Türkei viele demokratische Reformen seit den Beitrittsverhandlungen mit der EU seit Oktober 2005 durchgeführt hat, ist die Türkei immer noch weit entfernt von einem säkularen demokratischen Staat. In den letzten Jahren ist die Türkei bedeutend vom Vermächtnis des Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der modernen säkularen Türkei, abgewichen. Türkische hohe Repräsentanten, miteingeschlossen der Präsident, weisen eine starke pro-islamische Rhetorik auf, speziell in Bezug auf die Gesetzgebung und die Freiheit des Individuums. Präsident Erdogan selbst fordert: „Unser Ziel ist es der Islamische Staat zu sein. Unser Erbe ist der Islam.“ Bezugnehmend auf Demokratie sagte er: „Demokratie ist wie ein Zug. Wir sollten aussteigen, wenn wir die Station erreicht haben, an der wir ankommen wollten.“ Frauen werden oft als dem Mann untergeben beschrieben und ihr Status ist festgelegt durch die Schriften des Islam.


99% der türkischen Bevölkerung ist dem Islam zugehörig und Erdogans regierende Partei, die AKP, entstand in einer islamischen Bewegung, die 1998 verboten wurde. Während ihrer mehr als 10 Jahre andauernden Regierungszeit stärkte die AKP den Islam in der Türkei: Im Jahr 2013 wurde das Kopftuchverbot für Regierungsangestellte in den Büros und an Schulen aufgehoben; offene Missachtung von Religion zieht nun eine Strafe von sechs Monaten bis hin zu einem Jahr Haftstrafe mit sich, wenn der Staat entscheidet, dass es potentielle Unruhen verursacht haben könnte; Religionsunterricht an Grundschulen und Sekundarschulen (vor allem der Unterreicht über die Sunna des Islam) sind nun obligatorisch und unter der Kontrolle der Regierung.


Präsident Erdogan setzt einen Schwerpunkt darin, die Verfassung der Türkei zu verändern, und strebt damit an, seine exekutive Macht zu verstärken. Der Minister für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) ist zurzeit unter direkter Kontrolle des Premierministers und beaufsichtigt derzeit nicht nur die 80.000 Moscheen in der Türkei, sondern auch ein Programm für das Errichten von Moscheen im Ausland. Die Türkei plant Diyanet auch für ihre Außenpolitik zu benutzen. Das Budget der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion in Deutschland (DITIB) ist auf 1.8 Milliarden Euro stark angestiegen und beträgt mehr als das Budget von 12 anderen Ministerien in der Türkei. Die Anzahl der Angestellten bei DITIB wuchs von 72.000 (2004) auf 120.000 und im Jahr 2016 wurde 970 „Staatsimame“ in die türkischen Moscheen in Deutschland geschickt, abgesandt durch Diyanet. Die Türkei, und Erdogan im Besonderen, liefern stabile Unterstützung für die Muslimbrüderschaft (MB), jedoch muss festgehalten werden, dass es eine wachsende Abkühlung der Beziehung zwischen AKP und MB gibt.


Obwohl die Haltung der Türkei überraschend erscheinen mag, unterstützt sie den Politischen Islam – den Jihad. Ihre Bemühungen dienen dem Schutz und der Verbreitung des Islam bei gleichzeitigem Erlauben der Umsetzung von anderen politischen Zielen der Türkei. Letztendlich spiegelt dies einen ähnlichen Weg wie den von Saudi-Arabien wieder, das ebenfalls das Wachsen des Islam und jihadistischer Gruppierungen in muslimischen und nicht-muslimischen Ländern unterstützt.

Frauen

Die säkuläre Türkei beabsichtigt, Geschlechtergleichheit als grundlegendes Menschenrecht zu garantieren und aufrechtzuerhalten – trotz der kulturellen und religiösen Traditionen im Land, die gegensätzliche Werte haben. Dennoch scheinen die herrschenden politischen Kräfte die Freiheit der Männer über die der Frauen (die 52 % der türkischen Bevölkerung ausmachen) zu stellen. Seit Erdogans AKP-Partei an die Macht gekommen ist, wird ihr vorgeworfen, „den Status von Frauen zurückzuschrauben und das Land zum konservativen Islam hinzubewegen“. Diese Mentalität stammt aus dem Mittelalter; im modernen Europa gibt es für einen solchen Konservatismus keinen Platz.

 

  • Große Ungleichheit der Geschlechter in politischer, ökonomischer und bildungserzieherischer Teilhabe.

  • Zwangsheiraten und Kinderbräute – Praktiken aus dem Mittelalter.

  • Ehrenmorde und Ehrenselbstmorde werden nicht effektiv geahndet.

  • Gleichberechtigungsanliegen versus Politischer Islam in der täglichen Politik.

  • Erzwungene islamische Tradition für Frauen in einer säkularen Gesellschaft.

  • Gewalt gegen Frauen (in häuslicher und öffentlicher Umgebung).

Die Türkei rangiert auf Platz 130 von 145 Ländern im Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums – Global Gender Gap Index 2015. Sie liegt damit nur knapp vor dem Iran, Saudi-Arabien und Ägypten. Die politische Beteiligung von Frauen im türkischen Parlament liegt bei 4,4 %, weit hinter europäischen und internationalen Standards. Nur 14 % aller MPs im letzten Parlament waren Frauen und fast die Hälfte der türkischen Städte haben keine weibliche Vertretung. Türkische Frauen sind auch in der Arbeitswelt unterrepräsentiert: 28 % der Frauen sind erwerbstätig im Vergleich zu einem Durchschnitt von 63 % in der Europäischen Union. Während 36 % der Studierenden an Universitäten weiblich sind (30% der Mediziner und 25% der Juristen), gibt es Regionen, wo fast die Hälfte der weiblichen Bevölkerung Analphabeten sind. Im Durchschnitt verbringt die gesamte Bevölkerung 6,5 Jahre in der Schule, weniger als in Saudi-Arabien, Iran und Katar.

Im Domestic Violence against Women Report (Bericht über häusliche Gewalt gegen Frauen) wird dargelegt, dass 40 % der Frauen in der Türkei mindestens einmal im Leben körperlich misshandelt wurden; und eine von zehn Frauen war sexueller Gewalt durch ihren Partner ausgesetzt.


Laut den Vereinten Nationen tritt häusliche Gewalt in der Türkei 10 mal häufiger auf als in jedem anderen europäischen Land. Die Türkei ist auf Platz 77 von 138 Ländern beim Index für Geschlechtergleichheit des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Development Programme - UNDP).

Gewalt gegen Frauen ist sprunghaft angestiegen, seit Erdogans islamische AKP-Partei an die Macht gekommen ist. Von 2003 bis 2010 ist die Anzahl ermordeter Frauen um 1400 % gestiegen und die Ehemänner der Opfer sind verantwortlich für die Hälfte dieser Morde. Diese starke Zunahme von häuslicher Gewalt steht in direkter Verbindung mit der Familienehre.
Das türkische Bildungsministerium hat festgestellt, dass einer von vier Türken Ehrenmorde unterstützt (Laut Statistik gibt es in Istanbul einen Ehrenmord pro Woche.)


Viele Jahre lang konnte man für die Begehung einer solchen Gewalttat nach türkischem Recht eine Strafminderung bekommen, wenn man sich auf Provokation berufen hat. Türkische Juristen und Aktivisten sagen, dass diese milden Strafen aus einer Kultur stammen, die Frauen als Bürger zweiter Klasse ansieht. Manchmal wird der Tod einer Frau nicht einmal untersucht, weil der Ehemann behauptet, es wäre Selbstmord oder ein Unfall gewesen und die Polizei einfach wegsieht. Im Zuge der Bemühungen der Türkei, der EU beizutreten, wurden 2005 lebenslange Strafen für Ehrenmorde verbindlich eingeführt. Doch diese Vorgehensweise ist nach hinten losgegangen. Nach Erkenntnissen von britischen Reportern und Menschenrechtsaktivisten hat das neue Gesetz dazu geführt, dass viele Mädchen Selbstmord begehen mussten.


Amnesty International berichtet, das neue Gesetz von 2012 zum Schutz der Familie und zur Prävention von Gewalt gegen Frauen sei „inadäquat, unzureichend ausgestattet und infeffektiv“ , um gegen häusliche Gewalt vorzugehen. Die Anzahl der Unterkünfte für Opfer häuslicher Gewalt sei weit hinter der vom Gesetz geforderten Zahl zurückgeblieben.


Bei fast einem Drittel aller Hochzeiten in der Türkei sind Kinderbräute involviert. Laut dem Bericht einer Frauenrechtsgruppe wurden in den letzten zehn Jahren fast 7.000 Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren verheiratet. Doch diese Zahl spiegelt nicht die vielen unregistrierten Hochzeiten mit jungen Mädchen wieder. Diese Hochzeiten finden im Verborgenen unter Anwesenheit eines Imams statt. “Fast 20.000 Familien haben 2012 Anträge gestellt, ihre unter-16-jährigen Töchter zu verheiraten."


Die türkische Regierung schwächt die Kraft der Frauen im Land Schritt für Schritt. Die Regierung unter Erdogan hat in den letzten zwei Jahren Verbote für Frauen und Mädchen, Kopftücher in der Schule und im Öffentlichen Dienst zu tragen, aufgehoben. Burkas haben sich stark vermehrt und Hijabs sind zur legalen Kopfbedeckung in Regierungsgebäuden geworden. Erdogans Frau Emine trägt bei offiziellen Auftritten ein Kopftuch, ebenso wie die Frau von Erdogans langjährigem AKP-Verbündeten Abdulah Gul, der vor ihm Präsident war. Es hat zu kontroversen Diskussionen geführt, als Erdogan die türkischen Frauen angewiesen hat, zu Hause zu bleiben, zu brüten und je drei Kinder zu bekommen. Er hat auf die letztendliche Rolle der Frau im Koran als Mutter verwiesen, um seine Aussagen zu rechtfertigen, u.a. Sätze wie „Frauen sind Frauen, Männer sind Männer; können sie gleich sein?“ Folge seiner berüchtigten Aussagen waren Demonstrationen am Internationalen Frauentag 2013. Die Demonstrationen führten zu den sogenannten Gezi-Park-Protestesten, bei denen der Polizeieinsatz zu weit verbreiteten und gut dokumentierten Vorwürfen von sexueller Belästigung und Gewalt geführt hat.


Auch Erdogans Kollegen propagieren islamistische Themen. Zum Beispiel hat Babacan in einer seiner letzten Bemerkungen das steigende Hochzeitsalter und „die Zunahme von Beziehungen ohne Ehe“ als „signifikante Behinderungen“ des Bevölkerungswachstums bezeichnet. Der Vize-Ministerpräsident hat ein Oppositions-Mitglied auf folgende Weise angesprochen: „Sie, als Frau, seien Sie still!“ Die Änderung des Namens des Ministerium für Angelegenheiten der Frau zu Ministerium für Familie und Sozialpolitik markeiert eine Veränderung in der politischen Agenda der Türkei. Liberale Türken machen sich Sorgen, dass die Regierung mit ihren islamistischen Wurzeln nicht nur durch demografische Anliegen motiviert ist, sondern auch durch eine konservative Agenda, die auf liberale Lebensweisen und die Freiheiten der Frau abzielt.   

Christen und Juden

Die Türkei hat eine lange Geschichte der religiösen und ethnischen Abgrenzung, die bis in die Zeit des osmanischen Reiches zurückreicht und sich bis heute fortsetzt. Trotz der Tatsache, dass die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, verletzt die AKP und die Mehrheit der türkischen Gesellschaft immer wieder, was in der Verfassung niedergeschrieben ist. Die grobe Verletzung der grundlegenden Menschenrechte von Minderheiten geht Hand in Hand mit der Verleugnung von historischen Fakten, die mit dem Völkermord der Armenier und den jüdischen Pogromen in Zusammenhang stehen. Die offizielle Stellungnahme des Premierministers zum Völkermord an den Armeniern reflektiert die wahre Haltung der Türkei: „Wir haben kein Verbrechen begangen, daher müssen wir uns nicht entschuldigen.“

 

  • Türkische Offizielle verleugnen Jahrhunderte der Verfolgung von Nicht-Muslimen und allem voran den Völkermord an den Armeniern.

  • In der modernen Türkei werden religiöse und ethnische Minderheiten diskriminiert und die Diskriminierung wird durch den Staat gefördert.

  • Es gab eine Vielzahl von Angriffen auf nicht-muslimische Individuen und das Problem wurde nicht von der Regierung aufgegriffen.

  • Nicht-muslimische Flüchtlinge aus Syrien und Irak werden als zweite Klasse Bürger in der Türkei behandelt und erhalten nur sehr wenig Hilfe durch die Regierung.

Unter der osmanischen Herrschaft setzte die Türkei repressive, religiöse Gesetze zur Dhimmisierung gegen nicht-muslimische Minderheiten über Jahrhunderte hinweg durch. Nach diplomatischen Berichten gegen Ende des 19. Jh. und Beginn des 20. Jh. zufolge massakrierten osmanische Türken über 200.000 Armenier zwischen 1894 und 1896; das junge türkische Regime brachte 25.000 Armenier im Jahr 1909 um; und 600.000 bis 800.000 Armenier wurden 1915 im ersten offiziellen Völkermord des 20. Jh. getötet. Als Teil des offiziellen Jihads zwischen 1914 und 1918, konvertierte das Regime gewaltsam 559 Dörfer zum Islam, zerstörte 568 Kirchen, wandelte 282 christliche Kirchen in Moscheen um und ermordete und folterte 21 protestantische Priester und 170 armenische Priester.

Laut der christlichen orthodoxen Kirche schrumpfte die Bevölkerung der orthodoxen Christen in der Türkei von 2.000.000 im Jahr 1900 auf weniger als 4.000 zum heutigen Tag. „Die meisten wurden gezwungen auszutreten.“ Juden in der Türkei haben nicht weniger gelitten. Sie wurden während der thrakischen Pogrome 1934 ins Visier genommen und nach dem zweiten Weltkrieg wurden sie deportiert und durchgängig von der Regierung verfolgt, was zu einem raschen Exodus von 40% der türkischen Juden führte. Der Prozess der Vernichtung von Menschen in der Türkei nahm ein weiteres Mal zu nach den bekannten Pogromen gegen Griechen, Armenier und Juden im Jahr 1955. Danach verblieben nur noch 17.000 der 77.000 Juden, die nach dem zweiten Weltkrieg in der Türkei lebten.

Heute leben religiöse und ethnische Minderheiten in der Türkei in Angst. Sie werden in Regierungseinrichtungen, der Armee, staatlichen Schulen (mit obligatorischem Unterricht in Sunnitischen Islam) und in den kulturellen Bereichen der türkischen Gesellschaft diskriminiert. Als Teil der Erfüllung der Forderungen der EU für einen Beitritt, plant die Türkei angeblich die Religionszugehörigkeit auf dem Personalausweis der türkischen Bürger innerhalb von drei Jahren zu entfernen. Klassifizierungscodes für Bürger auf Personalausweisen, die die Regierung aufzeichnet und speichert, haben die religiöse Diskriminierung in der Türkei vereinfacht (laut Berichten zufolge stehen die Griechen an erster Stelle, die Armenier an zweiter, die Juden an dritter und die Assyrer an vierter Stelle).


Es liegen zahlreiche Berichte über Gewalt gegenüber nicht-muslimischen Individuen vor. 2011 schlug ein türkischer Taxifahrer eine armenische Kundin: „Dein Akzent ist schlecht,“ sagte er zu ihr. „Du bist ein Kafir (Ungläubiger).“ Am 28. Dezember 2012 wurde die armenische Frau, Maritsa Kucuk, in ihrem Haus geschlagen und erstochen. Im selben Monat wurde eine weitere nicht-muslimische Frau im Alter von 87 Jahren in ihrem zu Hause attackiert, geschlagen und erwürgt. Im Januar 2013 wurde ein 40 Jahre alter Lehrer einer armenischen Schule in Istanbul, Ilker Sahin, in seinem zu Hause geköpft. Die türkischen Behörden haben diesen Ereignissen kaum Aufmerksamkeit geschenkt.


Diskriminierung gegenüber religiösen und ethnischen Minderheiten haben in jüngster Vergangenheit auch die nicht-islamischen Flüchtlinge tangiert. Über 45.000 Armenier und assyrische Christen – die aus Syrien und Irak flohen und sich in kleinen anatolischen Städten in der Türkei niederließen – sind gezwungen ihre religiöse Identität zu verstecken.

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